Komplexität meistern (2. Teil)

Komplexität meistern (2. Teil)

Je höher die Projektanforderungen, desto einschneidender sind die negativen Auswirkungen bei Nichterreichen der Projektziele. Das systemorientierte Denken hilft, wesentliche Komplexitätsfallen im Projektmanagement zu vermeiden. Projektleiter sind oft gefangen im traditionellen linear-kausalen Wenn-Dann-Denken. Sie gehen bei der Suche nach Lösungen sehr zielstrebig vor und glauben, aus ihrer persönlichen Erfahrung den Einfluss der Umweltfaktoren beurteilen zu können. Was oft vernachlässigt wird: Regelmäßige Beobachtung der Umweltfaktoren, regelmäßiges Analysieren des Zusammenspiels dieser Faktoren und regelmäßiges Durchspielen von Szenarien. Das ist nötig, um eine Sicht aufs Ganze zu bekommen, ohne sich im Detail zu verlieren. Projektleiter haben auch oft Schwierigkeiten damit, zeitliche Verzögerung von wirkenden Impulsen in ihre Analysen mit einzubeziehen. Führen bisherige Eingriffe nicht zu deutlich messbaren Veränderungen, wird stärker eingegriffen. Durch Zeitverzögerungen schaukeln sich die Wirkungen mit der Zeit exponentiell auf und wirken destruktiv. Nötig ist eine Kenntnis der Gesetzmäßigkeiten von feedforward und feedback in komplexen Systemen.

Projektmanagement mit System

Projektleiter überschätzen oft Ihre Fähigkeit, das projektrelevante System zu durchschauen. Sie fokussieren sich zu stark auf den Inhalt einzelner operativer Details, statt das große Ganze im Blick zu nehmen (get the big picture). Die Einbettung der einzelnen, aufeinander verweisenden Projektarbeiten in einen Kontext (get the context of the big picture), der mitunter verschiedene Akteure mit jeweils eigenen Logiken enthält, unterbleibt in erschreckend großem Ausmaß. Diese traditionellen Schwächen führen zumeist zu vorschnellen Verhaltensweisen: Statusberichte werden überschätzt, erkennbare Risiken unterschätzt, eine kontextsensitive Planung unterbliebt nahezu vollständig und erzielte Wirkungen erzeugen unerwartete Ablehnungen seitens verschiedener Stakeholder(gruppen). Nötig ist vielmehr das permanente Prüfen der bisherigen Tätigkeiten hinsichtlich des Nichteintretens erwarteter Folgen und des Eintretens unerwarteter Folgen. Und dies sowohl im content als auch im context! So gelingen frühzeitige Anpassungen an veränderte Gegebenheiten. Mit linearem Denken sind diese Herausforderungen allerdings auf keinen Fall und unter keinem Bezugspunkt möglich. Möglich wird es aber mit dem systemorientierten Denken und Handeln.